Wednesday, 2 February 2011

DDR Elegance - Light

Will this, for our region the Périgord,
unusual long and cold winter ever end ?
Apart from some sunshine here and there
it's gray - gray - gray - since last November.

And I need light!

Alors - Es werde Licht.......



THE DIALECTICS  OF  ELECTRICS

DDR socialism shone nowhere more brightly than it its representational chandeliers.
During 1950's, in the young DDR (former East Germany),
the proven form was considered the proper foundation
for the bridging of dark past and bright future -
in lamp design as well as architecture and painting.
After Richard Paulick's historicist gems for the Berlin State Opera,
no theater or cultural center would do without chandeliers.


Nein, das hier war nicht Gio Ponti:
Die 1960 eroeffnete Oper in Leipzig galt als repraesentativster Theaterbau der DDR.
Tuetenleuchten und kuehler Wandton deuten an, um welchen Raum es sich hier handelt:
das Erfrischungs Foyer, Architekt Kunz Nierade

"Bag" lamps in the foyer of the Opera house in Leipzig, opened in 1960

*



Mit Kristallglasperlen gespickte Doldenleuchten im Parkettfoyer
 
Kunz Nierade's 1960 Leipzig Opera had large lamps
of filigree blossoms on sweeping brass arms, flanked by splayed glass wands.
  Or hanging globes of crystal-glass pearls like dandelion clocks,
 which became the model for a whole series of lights.

*


Ost-Berlin versucht sich als St. Petersburg:
Im Palais am Festungsgraben erstrahlen Kronleuchter,
die - wie hier im Foyer - zaristischen Prunk zitieren.


Foyer in the Palais am Festungsgraben, Berlin

*

Im Lichte der marxistisch-leninistischen Wissenschaft:
Die Tonnenleuchter in der Berliner Humboldt-Universitaet stehen fuer den Kompromiss
zwischen dem preussischen Klassizismus der Architektur
und der vom Sozialismus geforderten Sachlichkeit.

Humboldt Univeristy, Berlin

*


Global denken!
In den sechziger Jahren schuf Kunz Nierade in der Komischen Oper Berlin mit einer
durch Acrylglas-Meridiane segmentierten Kristallkugel das platanische Gegengewicht
zum neobarocken Treppenhaus.  Reihen kleinerer Trabanten schmuecken die Gaenge jenseits der Arkaden.



Think global !


*


Gespinste aus Acrylglas:   Erich Klemm's Haengelampen
setzen den Bankettsaal des Berliner Staatsratsgebaeudes ins Licht.
Die Produkte aus dem VEB Leuchtenbau Leipzig
erzaehlen vom Technik-Optimismus der sechziger Jahre in der DDR.

*


Erich Klemm's oversized chandeliers in the 1964 Berlin State Council building
have a scifit flair,
but signaled the end of the chandelier's formal reinvention in East Germany.

 Einer jener strengen Kronleuchter mit Milchglaszylindern,
die in den Sechzigern in Ost wie West auftauchten.
Dieses Prachtexemplar haengt
Unter den Linden im Lesesaal I der Staatsbibliothek zu Berlin

Chandelier in the Staatsbibliothek, Unter den Linden, Berlin


*


 Die Blueten-Sputniks schweben in der barocken Koeniglichen Bibliothek.
Heute ist in dem Bau, den die Berliner "Kommode" getauft haben,
 die Juristische Falultaet der Humboldt-Universitaet zu Hause.

"Flower-Sputniks" in the baroque  Koeniglichen Bibliothek, Berlin 


*

In 1976, Peter Rockel illuminated the Palast der Republik (dubbed "Erich's Lamp Shop,"
after party leader Erich Honecker) with thousands of glass globes on steel batons
 (inspired by the West German Lichtsystem 2000). 
While their subjects got used to Ikea-style lamps,
the state leadership ducked under aristocratic chandeliers,
both in the rebuilding of Dresden's Semper Opera and the Berlin Schauspielhaus.

The latter was lit by 14 five-meter high contraptions 
with 580,000 drop-shaped pendants.
Only Romanian dictator Ceausescu went more overboard:
when his Bucharest palace was stormed in 1989, troops counted 480 chandeliers.

*

Es war eine besonders schwere Altlast der deutschen Teilung, die die Kunstverwaltung des Bundes im Sommer 2008 zur Versteigerung ausgeschrieben hatte. Zwoelf Kronleuchter aus der Werkstatt Fritz Kuehn's, des prominentestens Kunstschmieds der DDR.
Drei Meter hoch, je 200 Kilogramm Gewicht. Entstanden waren die Luester ab 1952 fuer das Foyer des Berliner Zeughauses,das von der DDR zum "Museum fuer Deutsche Geschichte"umgewidmet wurde. Sie dienten nicht nur der Illumination einer Wandelhalle,  sondern auch als gestalterisches Bekenntnis:
Beim Brueckenschlag zwischen dunkler Vergangenheit und lichter Zukunft sollte vorerst die bewaehrte Form das Fundament bleiben, diese Maxime galt fuer das Lampendesign der gerade gegruendeten DDR ebenso wie fur Architektur und bildende Kunst.

Mit kargen Wandlichtschalen, wie sie zeitgleich Mart Stam an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee entwickelte, war fuer Ulbricht und Genossen so wenig Staat zu machen wie mit den minimalistischen Pendelleuchten eines Rudolf Schwarz, die den Wiederaufbau am Rhein erhellten.
Der Stalinismus gierte nach Ueberhoehung, nach "Schoenheit im Sinne des Volksempfinden" -
auch in Fragen der Lichtregie. Ideologen wie der Praesident der DDR-Bauakademie
Kurt Liebknecht (vormals Bueroleiter bei Mies van der Rohe)
definierten diese Aesthetik als "national in der Form, sozialistisch im Inhalt".
Architekten wie Richard Paulick (vormals Bueroleiter bei Walter Gropius)
lieferten historistische Glanzstuecke a la Staatsoper Berlin.
Danach schien kein Theater mehr ohne Luester denkbar. Das Licht der Aufklaerung,
mit dem noch zur Zeit Friedrich des Grossen der menschliche Geist erhellt werden sollte,
dimmte man dabei zum milden Schein der Verklaerung herunter.  Das provokante Verdikt der Funktionalisten um Naum Gabo und Hannes Meyer von 1928, der Gestaltungswille hinter einer Bauhauslampe und der hinter einem Kronleuchter seien gleichrangig, bestaetigte sich auf ungeahnte Weise.

Mit dem politischen Tauwetter der Chruschtschow-Aera aenderten sich in der DDR zaghaft die Bedingungen kuenstlerischen Entwerfens. Wie sich der Freiraum nutzen liess, zeigte die 1960 im Leipzig eroeffnete oper von Kunz Nierade. Schon der Baukoerper wirkte von steinerner Last befreit, und auch die Luester wagten neuen Glanz. Die Schaft- und Korbleuchter in Treppenhaus und Rangfoyer flechten, Bluetenstaenden gleich, ein filigranes Masswerk aus weit ausladenden Messingarmen, flankiert von expressiv gespreizten Glasstaeben.
Die Schaftleuchten des Hauptfoyers und des Buehnensaals ziehen sich hingegen zu Kugeln zusammen, die an Loewenzahn erinnern. Eng schmiegt sich der fein gefaecherte Glasbesatz um einen Messingkern und traegt das Licht in den Raum, beleuchtet nicht nur, sondern erleuchtet. Alles ist hier in Bewegung, alles Ornament.
Die strahlende "Pusteblume" wurde zum Vorbild fuer die Luester einer ganzen Reihe oeffentlicher Bauten, allen voran die Foyers der Komischen Oper und der "Kommode" am Berliner Bebelplatz.
die heute die Juristische Fakultaet der Humboldt-Universitaet beherbergt.
Produziert wurden die Lampen im VEB Spezialleuchtenbau Wurzen
oder im VEB Leuchtenbau Leipzig,
der auch die beruechtigten Peitschenlaternen herstellte.

Was die Gestalter der Leipziger Oper nur im Ansatz gewagt hatten, geriet zu Beginn der 
sechziger Jahre zum offiziellen Gebot: moderne Abstraktion nach westlichem Vorbild.
"Ueberholen ohne einzuholen" lautete die Devise, mit der auch die Innenarchitektur im 1964 eroeffneten Berliner Staatsgebaeude neue Ufer erreichte. In stetem Spagat zwischen Repraesentation und Zeitgeist schuf Hans-Erich Bogatzky im offiziellen Sitz des DDR-Staatsoberhaupts ein Gesamtkunstwerk, bei dem die Deckenkronen die Last des Luesters in pure Lust verwandelten. Wie ueberdimensionale Pendelleuchten buendelten sie ihre Illuminationskraft eng am Schaft, um sie dann durch wellenfoermige Acrylglasscheiben in die Umgebung zu verteilen, den Laserkanonen von Raumschiffen in Science-Fiction-Filmen nicht unaehnlich.
Von Saal zu Saal liess der Leipziger Designer Erich Klemm die Lamellenkraenze variiren. So entlockte er den Lampen selbst tagsueber, bei geloeschtem Licht, noch ein Funkeln.

Mit dem Staatsratsgebaeude gelangte die Modernisierung
des Luesters an ihre kuenstlerische Grenze.
Der 1976 eroeffnete Palast der Republik erhielt statt eines Kronleuchters mehrere Tausend Stabwerklampen, fuer die sich der Ingenieur Peter Rockel vom "Lichtsystem 2000" der westdeutschen Firma Kinkeldey hatte inspirieren lassen. Als vorbildliches "Serienprodukt mit Bausteincharakter" wurden sie schon bald in den sozialistischen Bruderstaaten zweitverwertet. Polnische Jugendclubs und tschechische Skihuetten,
aber auch der Kulturpalast in Sofia schimmerten kollektiv in schlichten Glanz der Kugellampe. Die eingentliche Bestimmung des Luesters, ein individuelles Lichtwunder zu sein, fuehrte der serielle Ostblock-Internationalismus auf diese Weise ad absurdum.

Der in Anspielung auf Staatschef Honecker als "Erich's Lampenladen" verspottete Palast der Republik markierte im oeffentlichen Raum den Endpunkt der Abstraktion.
Zwar versuchte das "Amt fuer industrielle Formgestaltung", der Bevoelkerung Ikea-kompatible Lampen aus dem VEB Metalldruecker Halle nahezubringen. Die spiessige Parteifuehrung indes bescherte dem Kronleuchter eine Renaissance. Dabei geriet vor allem der Wiederaufbau der Dresdner Semperoper und des Berliner Schauspielhauses zum Hochamt eines Neohistorismus, das man in der Hauptstadt
gleich mit vierzehn je fuenf Meter hohen, handgefertigten Lichterkronen zelebrierte.
Als haette Schinkel persoenlich fuer Honecker entworfen,
funkelten am Gendarmenmarkt nun 580 000 tropfenfoermige Pendeloquen.
Fuer Durchhalte-Diktaturen ist so viel troestlicher Deckenglanz oft ein ominoeses Signal:  
In Ceausescus Palast in Bukrest fand man 1989 mehr als 480 Kronleuchter.

*

......und es ward Licht !

Remark:
AD - ARCHITECTURAL DIGEST
BEST OF GERMANY - Oktober 2008 

5 comments:

  1. Einfach toll dieser Kultuhistorische *LIchtblick*!!!

    Bei uns ist auch alles grau in grau!

    Einen erhellenden Gruß!
    A.

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  2. Those are some kind of light fixtures and while they wouldn't go in my home some of them are really amazing!

    I know how you feel about the grey, still snowing here and I keep wondering if it'll ever stop!

    Debra,

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  3. Dear Karin, At least Gio Ponti designed and lived in a free environment. My family escaped from the DDR in 1956. My Father had been very involved in the re-construction of several large buildings in Weimar and Dresden. Of the examples you have shown above, only a few do not remind me of the contraints imposed upon designs in every discipline.
    Great research and a well writen reminder of how it used to be.
    The sun is shining brightly here but minus 10 degrees Fahrenheit.

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  4. Du meine Güte! Würden wir diese Lampen nicht zuuuu gerne alle alle! haben? Wie wunderbar und außergewöhnlich und bravo dass du diese Bilder aufgetrieben hast! Ein wundervoller Beitrag Karin, vielen Dank!! Anneke

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  5. Hallo,
    sehr schöne Seite. Umzugsbedingt muss ich mich von meinem wunderschönen Tonnenleuchter (LBL Leipzig) trennen. Er entspricht dem Design der Leuchter aus der Humboldt-Uni, die Tonne ist aber "nur" 54 cm hoch. Ist somit auch für Wohnräume um 3,50 m Deckenhöhe geeignet. Besteht Interesse?

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